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Schock auf dem grünen Hügel
Kunst satirisch betrachtet
 
Als ich noch zur Schule ging, war es eine Zeit lang Mode verschiedene Arbeitsgruppen zu gründen. Ich hatte keinen rechten Spaß daran, entschied mich deshalb für die Arbeitsgruppe Kultur. Wissen Sie, am Abend ins Konzert, mal in die Oper oder gelegentlich eine Theateraufführung sehen, hinsetzen und vorbei gehen lassen.
Aber auch diesen Entschluss bereute ich zutiefst, nachdem ich erstmalig in der Oper war. Es gab den Tannhäuser. Fürchterliches Mittelalter, fromme Szenen und ... ich gebs ja zu, ich schlief dabei ein.
 
Aber genau jener Abend veranlasste mich zum Nachdenken. Wenn man das Stück nun moderner gestalten würde? Der heutigen Zeit zuordnen, das gebe doch den rechten Schwung!
 
Während ich mir die ersten Gedanken aufschrieb, drängte sich auch das Theater hinzu. Spontan entwarf ich eine neue Szene zu SIEGFRIED.
 
Der Held steht mit dem Schwert in der Hand vor dem Drachen. Bereit den Todesstoss auszuführen. Fauchend steht der Drache bedrohlich vor ihm, speit Feuer und dessen Hitze macht Siegfried zu schaffen, doch sein Mut ist stärker als die Gefahr. Da klingelt sein Handy.
 
Siegfried: Hallo? Ach du bist es, Schatz…
 
Sie: Was machste?
 
Siegfried: Muss eben nen Drachen töten, der grooved hier schon zu lange rum.
 
Sie: Du und deine Drachen, immer dasselbe. An mich denkst du überhaupt nicht mehr. Zeig mir lieber mal wieder deinen Drachen…
 
Siegfried: Schatz, später vielleicht, muss erst Potenzpillen holen, die sind alle.
 
Sie: Dann geh noch im Supermarkt vorbei, die Batterien vom Vibrator sind auch schon wieder leer.
 
Siegfried: Ok; hab jetzt keine Zeit mehr, muss erst zum Helden werden. Bussi…
 
Dann steckt er sein Handy lässig in die Hosentasche und tötet furchtlos den Drachen.
 
Na, da steckt doch gleich unendlich mehr dahinter und unsere Jugend wäre begeistert. Das ist wahre Kunst!
 
Aber von der Oper wollte ich erzählen. Selbstverständlich kann man gerade in diesem Genre erhebliche zeitgemäße Verbesserungen einführen. Nehmen wir mal eine Szene aus dem Tannhäuser:
 
Elisabeth sitzt im Rittersaal auf der Wartburg und surft einsam im Internet herum, als eine Stimme aus dem PC sagt: Sie haben Post.
Flugs öffnet sie die Email, es ist von ihrem geliebten Tannhäuser, der aber ein Lump ist, weil er noch ne Geliebte im Venusberg hat.
Elisabeth liest die Email: Hallo Baby, bin noch etwas im Venusberg. Ziemlich geil hier, denke auch an dich dabei, nächstes Mal darfste mitkommen, die mögen hier auch Frauen. Wenn die Alitalia nicht wieder streikt, komme ich Donnerstag 18:25 Uhr in Leipzig an, hol mich bitte ab. Ciao Bella.
 
Dann öffnet sich die Tür und der Pilgerchor zieht in den Saal. Zu den frommen Liedern wiegt sich Elisabeth im Takt und geht dann auf die Pornoseiten, Tannhäuser vergnügt sich ja schließlich auch.
  
Sehen Sie, meine verehrten Damen und Herren, das ist Oper gelebt. So recht für Leute von heute.
 
Damit kommen wir zum Kernpunkt. Nicht genug kann ich deshalb die Bayreuther Wagnerfestspiele preisen. Noch weitaus mehr die letzte Aufführung: Die Meistersinger von Nürnberg!
Frau Katharina Wagner inszenierte Ururopa Wagner auf dem grünen Hügel. Also das war mal was Einzigartiges. Ich persönlich hätte es gern noch provokativer gehabt, leider hat sich das Jungregisseurin Katharina dann doch nicht getraut.
 
Man stelle sich vor: Walther von Stolzing rast mit dem Pinsel in der Hand über die Bühne….na, na…also wo denken Sie jetzt wieder hin…der ist doch Maler! Hinter ihm her Herr Pogner, laut schreiend: Meine Tochter ist noch minderjährig, was fällt ihnen ein? Und dann schüttet ihm Stolzing einen Eimer Farbe über den Kopf, damit Pogner nichts mehr sehen kann, während das Töchterchen mit einem Cello in der Hand auftaucht, auf Stolzing einprügelt: Und beim nächsten mal gibste Dir gefälligst mehr Mühe, sonst erzähle ich alles in meiner Frauengruppe, du Looser!Na, das knallte rein. Unser Maler stülpt sich eine Büste aus Pappmache über den Kopf, Eva setzt sich die Pappnase auf und tanzt an einer Stange. Dazu die dramatischen Klänge des Orchesters, untersetzt mit einem Schlagzeug und Saxophon.
 
Verehrte anbetungswürdige Frau Wagner, was für einen Kunstgenuss Sie uns doch bereiten….
 
Nicht zu vergessen die Figur Beckmesser. Schleicht sich in die Wohnung von Sachs und klaut ihm die Unterhosen. Welche Dramaturgie sich da auftut. Also so etwas kann nur ein Genie in Szene setzen!
 
Göttergleiche Frau Wagner, tief empfundenes Glück durch Ihr Werk, so kunstvoll, so subtil, oder sagt man da frühsenil? So gut kenne ich mich in der deutschen Sprache leider nicht aus.
Kunst kommt von Können, sagte mein Vater immer. Jetzt wäre nur noch Können zu definieren….
Auf jeden Fall ist es eine Kunst, für solche Darbietung auch noch zahlende Zuschauer zu bekommen!!! Eigentlich sogar eine hohe Kunst…
 
Ich habe das Bedürfnis mich vor Ihnen zu verneigen.