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Wer heutzutage bei der Hightech-Jugend noch als Weihnachtsmann bestehen will, benötigt vermutlich eine ganz besondere Begabung. Gibt es aber auch noch Kritik aus den eigenen Reihen bis hin zum Chef, dann hat auch der Weihnachtsmann nichts mehr zu lachen.
Das geflügelte Wort Outsourcing ist für jene Planstelle plötzlich nicht mehr tabu. Es sei denn ..., nun versucht der Weihnachtsmann seine letzte Chance zu ergreifen, mit fatalen Erlebnissen.
 
 
 
... UND ES GIBT IHN DOCH!
 
Es war einer dieser so unbeliebten Konferenzen, die den Weihnachtsmann aus der Werkstatt in den himmlischen Besprechungssaal riefen.
Eilig gab er noch schnell ein paar Anweisungen an seine Helfer, wie denn die Geschenke zu verpacken seien, dann machte sich der Weihnachtsmann auf den Weg. Ungeduldig wurde er bereits erwartet. Eine größere Anzahl Engel saß schon am runden Tisch, Petrus kam hinzu und auch ER, der über allem thronende Chef fand sich ein. Als dann der himmlische Gong ertönte, stürmte der Weihnachtsmann herein: „Was gibt es denn? Ich habe noch unendlich viel zu tun, Termine, Termine ....“, er fuchtelte wild mit den Armen herum.
Setzen!“ Petrus tat Ehrfurcht gebietend: „Wir wollen beginnen.“
Engel Aloisius erhielt das Wort. Feierlich rollte er ein Pergament auf, begann mit einem kleinen Referat:
„Nach einer wissenschaftlichen Analyse des himmlischen Nachrichtendienstes stagniert der Glaube an den Weihnachtsmann dermaßen, dass aus Rentabilitätsgründen die Abschaffung dieser Planstelle unumgänglich bleibt. Selbstverständlich werden wir die lange Wirkungskraft berücksichtigen, indem wir einen Sozialplan ausarbeiten und auch eine Abfindung anbieten werden.“
Das saß! Es wurde absolut still im Saal und der Weihnachtsmann zwickte sich hier und da, das konnte doch nur ein dummer Traum sein. Ab sofort, so sagte er sich, wird der abendliche Weihnachtspunsch gestrichen ...
Aloisius, sich der Wirkung seiner geschäftsmännischen Art bewusst, hub wieder an: „Wir haben eine Statistik angefertigt, in welcher wir ein starkes Glaubensgefälle von Süd nach Nord beobachten konnten. Besonders diese gottlosen Preissn ...“, Ein Blitz und ein Donnerhall ließen ihn erschrocken innehalten. „Aloisius!“ ER stand erzürnt auf: „Wie kannst du es wagen, dich im Himmel dermaßen abfällig zu äußern? Hier gibt es ko Preissn net un scho gaoar ka Bayersleit, hier samma oalle lieb miteinand, vastehst???Dängaaa ...!!! Petrus schreib auf, Aloisius muss zur Strafe 500 mal Llujja singen und mehrere Monate die bayerische Regierung beraten. Strafe muss sein!“
 
Aloisius wurde ganz klein und entschuldigte sich mehrfach, zumindest das mit der Beratung könnte man vielleicht auslassen, weil die doch immer so eigensinnig sind, besonders dieser ..., der Name war ihm entfallen. Dunkel blieb ihm jedoch im Gedächtnis, jene namenlose Person wollte mal hier und mal dort Politik machen, eine sehr wankelmütige Persönlichkeit. Aber ER blieb unerbittlich.
 
„...also, diese nördlich von uns gelegenen uneinsichtigen Naturvölkerstämme glauben am wenigsten an den Weihnachtsmann.“ So setzte Aloisius seinen Vortrag fort, Ablenkung tat schließlich Not: „War der Yield (Aloisius bemühte sich sein Image als Fachengel deutlich zumachen), noch im ersten Quartal bei immerhin 6!%, so sank er bereits im zweiten Quartal auf !8% herab. Wie uns der Margin-Kalkulator in der Grafik zeigt ...“
 
Petrus winkte ab: „Was soll der Quatsch? Bitte mal verständlich ausdrücken.“ Aloisius kratzte sich am Kopf, der Weihnachtsmann zwickte sich noch immer, so viel Punsch war das gestern doch überhaupt nicht. „Nun ja, der Weihnachtsmann benötigt dringend eine Imagepflege. Vorhin bekamen wir einen frisch verstorbenen Modedesigner herein, der könnte das übernehmen. Engel Martin, hol doch bitte mal Messieur Bombastique.“
 
Ein in weiß gekleideter Herr, dunkle Sonnenbrille im Gesicht, betrat tänzelnd den Saal: „Allo, allo, womit kann isch dienen?“ Dabei blickte er sich kurz um, sah den Weihnachtsmann und ging spontan auf ihn zu: „Oh mon ami, ein Katastroph, dies Outfit. Keine Chic, wir brauchen Pep. Dein Frisur ..., oh la la, isch mach dir ein Punkeroutfit, ein Jackett von Star-Trek, dazu ein Cargo-Hose mit diese Muster von Militär, Babe, du wirst es lieben.“
 
Der Weihnachtsmann stand senkrecht: „Es reicht mir jetzt!!!“
 
Ein leises Donnergrollen ermahnte aber auch ihn, nicht zu forsch zu werden. „Seit Beginn der Zeit bringe ich den Menschen Freude und Geschenke, Liebe und Verständnis, Sanftmut und Ehrfurcht vor der Weihnacht, und der da ....“, wütend zeigte er auf einen etwas schockierten Messieur Bombastique, ... der verändert mir schon mal überhaupt n-i-c-h-t-s!!!“
 
Petrus griff ein: „Also lasst uns mal vernünftig sein. Zugegeben, bisher hatte der Weihnachtsmann seine Bedeutung behaupten können. Leider haben die Menschen sich im Verlauf der Zeit geändert, andere Wertvorstellungen sind nun ausschlaggebend.“ „Zum Beispiel, welche denn ...?“ Der Weihnachtsmann fragte etwas gereizt nach. „Mh,“ Petrus legte den Kopf schief: „Heimkinosound, Plasmafernseher und ein Blue-Tooth-Kühlschrank, der sich selber die Getränke nachbestellt, wenn er leer ist...“
Aber wir sollten dem bewährten Brauch eine Chance geben. Zufällig hat das Kaufhaus Raffgier beim Arbeitsamt um einen Weihnachtsmann nachgesucht. Melde dich dort und dann überzeuge die Menschen von dir, bring ihnen die Weihnachtsbotschaft!“
 
Der Weihnachtsmann war zwar immer noch erzürnt, trotzdem war ihm klar, hier kann ich mich behaupten. Frohen Mutes stieg er wenig später auf die Erde herab.
 
Es war schon dunkel, Regen verschlechterte die Sicht und der Weihnachtsmann stand auf der großen Einkaufsmeile einer bedeutenden Stadt. Aha, dort drüben leuchtete die Reklame vom Kaufhaus Raffgier, dort musste er hin. Zielstrebig überquerte er die Straße, als ein Auto mit quietschenden Reifen vor ihm zum stehen kam. „Du Weihnachtsmann ...., kannst du nicht aufpassen?“ Ein wütender Autofahrer schimpfte und der Weihnachtsmann strahlte. Kaum in der Stadt, schon traf er den ersten Menschen, der an ihn glaubt. „Das notiere ich mir besser“, sagte er zu sich und nahm einen Notizzettel hervor, damit er alles ganz genau aufschreiben kann. Dem Autofahrer wurde es mulmig, der Typ schreibt ihn auf. Das wird doch nicht eine von diesen neumodischen Zivilstreifen sein? „Es tut mir leid, ich nehme den Weihnachtsmann zurück, wir haben schließlich alle schon Weihnachtsstress!“ So entschuldigte sich der Autofahrer beim Weihnachtsmann und drückte ihm noch schnell einen Zehner in die Hand, um sich danach schnell zu entfernen.
 
Enttäuscht ging der Weihnachtsmann weiter, den Zehner achtlos in der Hand zerknüllend. Weihnachten ist doch kein Kommerzfest!
 
Der Personalleiter Schlaumeier begrüßte ihn: „Da sind sie ja endlich. Ich sehe schon, ihr Outfit haben sie mitgebracht. Sehr gut. Ihre Sozialversicherungskarte brauche ich noch kurz, reine Formsache. Und wenn sie es dem Arbeitsamt nicht melden ..., wir könnten da eine Regelung treffen ....“ Der Weihnachtsmann verstand kein Wort. „Ich brauche keine Bescheinigung, ich bin d-e-r Weihnachtsmann.“ Schlaumeier wechselte einen leidgeprüften Blick mit seiner Sekretärin, deutlich konnte man es sehen ... die vom Arbeitsamt schicken auch die allerletzten Deppen ...
„Nun gut, kommen sie mit, die Zeit drängt. Zeigen sie den Eltern vor allen Dingen unsere neuen Kampfroboter, den Sternenterminator und die Blutechsen. Die Kinderlein lieben das ..., so wie wir Weihnachten lieben, nicht wahr?“ Schlaumeier machte eine Bewegung des Geldzählens und grinste seine Sekretärin an.
 
So kam der Weihnachtsmann auf ein Podest in der Spielwarenabteilung, inmitten einer großer Schar Kinder. Komisch, man nahm ihn kaum war. „Na du ...“, versuchte der Weihnachtsmann ein Gespräch mit einem Jungen. „Eh Alter, geh mir nicht auf den Kittel, schlürf deine Suppe im Heim weiter.“ Der Weihnachtsmann traute seinen Ohren nicht.
Plötzlich erhob sich tosender Lärm, die Kinder klatschten begeistert und fröhliche Gesichter rings herum. Sofort war der Weihnachtsmann wieder mit dem Schicksal versöhnt. „Wisst ihr, drunt vom Walde komm ich her ....“
 
Aber er war leider überhaupt nicht gemeint.
 
Ein Junge, so etwa!0 Jahre alt, kam aus einer Tür heraus. Etwas schüchtern, eine kleine runde Brille auf der Nase und einen spitzen Hut auf dem Kopf. Dazu ein schwarzer Umhang und in der einen Hand ein Buch, in der anderen einen Besen.
Harry Potter, das ist Harry Potter!“ Die Kinder schrien ganz aufgeregt durcheinander. Der Weihnachtsmann wurde überhaupt nicht mehr beachtet. Müde und traurig schlich er sich aus dem Kaufhaus.
 
Draußen war es kalt geworden, die ersten Schneeflocken tanzten herum, der Weihnachtsmann reckte sich. „Und wenn ich die Welt auf den Kopf stellen muss, ich finde noch Menschen, die an mich glauben!!!“
 
Du,“ ein kleines Mädchen zupfte ihn am Ärmel, „du siehst aus wie der Weihnachtsmann.“ „Bin ich auch!“ Der Weihnachtsmann strahlte. Das Mädchen schüttelte den Kopf: „Glaube ich nicht, den gibt es nicht mehr.“ Dabei bekam sie Tränen in die Augen. „Warum weinst du denn?“ Der Weihnachtsmann kniete sich nieder und trocknete die Tränen des Mädchens mit einem Taschentuch. „Weißt du, meine Eltern haben sich oft furchtbar gestritten und dann ist Papa ausgezogen. Meine Mama muss den ganzen Tag arbeiten und ich bin allein, weil Oma und Opa auch nicht mehr da sind ...“, wieder fing sie zu weinen an.
Denn Weihnachtsmann rührte das ganz besonders. „Glaubst du denn nicht an mehr an das Weihnachtswunder? Nicht alle Geschenke bestehen aus Spielzeug, ich werde mal mit dem Christkind darüber reden, Weihnachten komme ich zu dir und du wirst schon sehen ...“
Er strich dem Mädchen übers Haar, während sie weiter mit den Tränen kämpfte. „Das geht doch überhaupt nicht, letztes Jahr hat mir das auch ein anderer Weihnachtsmann versprochen, aber nichts passierte.“
Der Weihnachtsmann wurde wütend: „Immer diese Nachahmer! Ich bin der einzig richtige Weihnachtsmann“, so donnerte er jetzt mit gewaltiger Stimme, „... zur Weihnachtsstunde komme ich zu dir. Geh nach Hause und sei nicht mehr traurig, wir sehen uns bald wieder.“ Er drückte dem Mädchen nochmals die Hand und plötzlich war er einfach so verschwunden, als hätte er niemals dort gestanden.
 
Es kam der heilige Abend, es wurde Nacht. Das kleine Mädchen saß auf dem Schoß seiner geliebten Mama und war seltsam verändert. „Du bist heute so anders, ich glaube schon beinahe, du erwartest noch etwas. Leider hatte ich nicht genug Geld, mehr als die Puppe konnte ich dir wirklich nicht schenken.“ Mama wurde traurig und drückte ihr kleines Mädchen an sich. „Und wenn der Weihnachtsmann nun zu uns kommt?“ „Ach ...“, Mama schüttelte traurig den Kopf, „...der Weihnachtsmann ...“
 
Ein leises Glöckchengeklingel war zu vernehmen. Erst ganz leise und zaghaft, dann wurde es lauter. „Das Christkind kommt, der Weihnachtsmann auch!“ Das kleine Mädchen wurde sehr aufgeregt, „Mama, hör doch ...“
 
Mama blickte verwundert um sich, dieses Glöckchenklingeln kannte sie aus der Kindheit, kurz bevor es immer Geschenke gab. „Da bin ich, frohe Weihnachten!“ Der Weihnachtsmann stand plötzlich mitten im Raum, umgeben von einer kleinen Schar kichernder Engel. „Du hast mir doch was versprochen!?“ Das kleine Mädchen strahlte über das ganze Gesicht, wogegen Mama nicht wusste, träumte sie das vielleicht nur?
Der Weihnachtsmann lächelte freundlich: „Da“, er kramte in seinem mit Geschenken prall gefüllten Sack, „ ...kurz vor dem einschlafen machst du dieses Päckchen auf und dann denkst du ganz, ganz fest an deinen größten Wunsch. Gesegnete Weihnacht euch!“
Im gleichen Moment verschwand der Weihnachtsmann ebenso geheimnisvoll, wie er gekommen war.
 
Ein seltsam schönes Gefühl von Friede und Freude machte sich bei dem Mädchen und ihrer Mama breit. Sie wussten nicht warum, doch alle Sorgen fielen ab, sie nahmen sich in den Arm und erfreuten sich an der Weihnacht.
 
Als das kleine Mädchen müde wurde, nahm es das geheimnisvoll glitzernde Päcken und begab sich in sein Zimmer. Eine eigenartige Müdigkeit befiel es, mit letzter Kraft öffnete es das Päckchen, in welchem ein silberner Staub lag. „Papa ...“, so dachte es noch und der Staub glitzerte plötzlich viel kräftiger, fing an zu strahlen und löste sich dann langsam auf. Das Mädchen war bereits fest eingeschlafen, träumte von der Zeit mit Mama und Papa.
 
Guten Morgen, mein Schatz!“ Eine Hand strich dem kleinen Mädchen über das Gesicht. „Fröhliche Weihnachten!“ Es öffnete schlaftrunken die Augen: „Papa, Papa!!!“ Tatsächlich, Papa war da, hinter ihm stand Mama: „Ganz früh kam Papa heim, wir streiten uns niemals mehr und bleiben jetzt für immer zusammen.“
 
Das kleine Mädchen blickte aus dem Fenster. Es war ihm, als ob zwischen den Wolken das Christkind zufrieden lächelte, ihm freundlich winkte.
 
Jetzt glaube ich wieder an den Weihnachtsmann!!! Danke!“
 
Ein überglückliches Mädchen, eine ebensolche Mama und ein zufriedener Papa, diese Weihnacht würden sie niemals vergessen. Es gibt ihn also doch ...
 
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