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Du bist Deutschland
 
Als ich diesen Satz erstmals in den Medien vernahm, klang er wie Musik in meinen Ohren. Ich bin also Deutschland, die Fleisch gewordene Verkörperung eines einzigartig-wundersamen Landes schlechthin, in all seiner Pracht. Wow!!!
 
Von Stolz erfüllt bereicherte diese Erkenntnis mein weiteres Leben. Selbst dann noch, als eine Henne aus ostdeutschen Landen die goldene Henne erhielt, was anschließend von einigen Kritikern als Paradoxum bezeichnet wurde. Es veränderte nichts an meinem Hochgefühl, jetzt einfach Deutschland zu sein. Nicht nur ein kleiner Teil davon, innerhalb eines weit verzweigten großem Ganzen, nein, ich war es selbst!
 
Wäre ich jetzt vielleicht auch noch Ratzinger, es wäre kaum mehr auszuhalten, machte mich albern vor Glück.
Aber das geht ja überhaupt nicht, wie mir erschrocken einfällt. Immerhin bin ich weitaus toleranter, weltoffener, fern jeglicher Engstirnigkeit und irgendwie fehlt mir auch der mittelalterliche Heiligenschein. Mal ganz abgesehen von gleichfalls fehlender Scheinheiligkeit. Der Schöpfer möge mir diese Haltung gnädig verzeihen.
 
Eigentlich ist mir das bereits egal, wo ich doch jetzt Deutschland bin!
 
Erfüllt von diesen edlen Gedanken betrat ich das Treppenhaus um zu meiner im dritten Stock gelegenen Wohnung zu gelangen. Mühsam kramte ich meinen Schlüssel aus der Tasche, wollte aufschließen, doch was war das? Die Tür war offen, nur angelehnt. Ein Schreck durchfuhr mich, hatte ich etwa im morgendlichen Stress die Tür nicht ordentlich abgeschlossen?
Als ich eintrat, wurde die Sachlage schlagartig klar. Leer war sie, bis auf meine alten Schränke und ein paar Lampen.
Sparbuch weg, Hi-Fi-Anlage weg, TV weg, nicht einmal die frisch gewaschenen Unterhosen waren noch vorhanden.
 
Ich nahm mein Handy, wählte die Rufnummer der Polizei. Endlos lange hörte ich den Rufton, bis endlich abgenommen wurde. Es meldete sich ein Mann, dessen Stimme wie aus dem Altenheim der Hundertjährigen klang: „K-Wache, Kaminski hier, was wünschen sie?“ „Na, meine Wohnung wurde aufgebrochen und ausgeraubt, da muss mal jemand vorbei kommen und es aufnehmen.“ Vielleicht klang ich zu aufgeregt, hatte eventuell nicht die korrekte Ansprache gewählt, denn mein Gesprächspartner verneinte schroff: „ Wo denken sie hin, ist niemand da. Ich bin nur der Pförtner, die Kollegen sind im Einsatz, bilden derzeit in Ägypten die dortigen Kollegen in Einbruchsprävention aus. Nächstes Jahr kommen die wieder, dann schicke ich sie sofort vorbei. Falls es ihnen dringend ist, schreiben sie uns doch einen Brief.“
 
Ich war viel zu geschockt um darauf eine Antwort zu wissen.
 
Plötzlich bemerkte ich scharf stechenden Brandgeruch. Meine Wohnung!
Das Kabel einer nicht sachgerecht entfernten Tiffany-Lampe schmorte verdreht vor sich hin. Voller Panik wählte ich die Nummer der Feuerwehr: „Hilfe, bei mir brennt es, kommen sie sofort vorbei…“ Eine nette Dame antwortete mir: „Nun bleiben sie mal ganz locker, ist sowieso keiner da.“ „Wie bitte, hier brennt es doch!“ „Unsere Brandschutzexperten sind derzeit in USA tätig, die Waldbrände bekämpfen. Halten sie ihren Wohnungsbrand auf kleiner Flamme, ich frage mal per Email nach, wann die wieder hier sind.“
 
Ich knallte den Hörer auf!
 
Dann muss eben das THW aushelfen. Mittels Telefonvermittlung, für 4,60 Euro pro Minute, versteht sich, erreichte ich das Technische Hilfswerk. „Ich benötige Ihre Hilfe, es brennt hier und die Feuerwehr ist im Auslandseinsatz.“  „Und glauben sie, wir sitzen auf den Ohren oder langweilen uns hier? Meine Leute befinden sich in Indonesien, dafür sind wir schließlich da, Hilfe wo Hilfe benötigt wird.“ „Aber meine Wohnung…“, warf ich zaghaft ein. „Dann werden sie mal etwas selbstständiger, nehmen sie Sand und kippen ihn darüber, Sicherungen aber auch raus drehen. Sagen sie mal, haben sie auch eine Quittung über pünktliche Zahlung des Solidaritätszuschlags für technische Hilfsleistung? Wir sind schließlich nicht die Mutter Theresa.“
„Frechheit!“ Entfuhr es mir spontan, dann legte ich auf.
 
Mir wurde übel, meine Beine begannen zu zittern, das Herz raste, kalter Schweiß brach aus. Ist das etwa ein Herzinfarkt, so durchfuhr mich blitzartig ein erschreckender Gedanke. Notarzt anrufen! Mit letzter Kraft wählte ich die 112. Wie aus weiter Ferne vernahm ich die Stimme des Anrufbeantworters: „ Hier ist ihr Notarztteam. Wir danken ihnen für ihren Anruf und werden uns bemühen nach Kräften zu helfen. Bitte geben sie nun ihre Rufnummer ein, beschreiben sie die Symptome und beenden sie mit der Raute-Taste. Nach Abschluss unserer Streikmaßnamen werden wir ihr Problem besprechen und uns zwecks Terminabsprache schriftlich bei ihnen melden.
Bitte beginnen sie jetzt mit der Eingabe ….“
 
Mir wurde schwarz vor Augen.
 
Ich erwachte aus zeitlos tiefer Dunkelheit. Schüsse und Explosionen rings um mich herum, Schmerzen strömten durch meinen verletzten Körper. Was war geschehen?
Mühsam erinnerte ich mich, wir hatten Krieg, feindliche Soldaten überrannten unser Land. Wo waren nur unsere heldenhaften Bundesrecken? Ach ja, die verteidigten gerade das letzte Edelweiß am Hindukusch und führten die Freiheit in Ataputu ein.
 
Rasselnd fuhr ein Panzer um die Ecke, hielt auf mich zu. Angst kroch mir ins Herz. Als er hielt und zwei Soldaten heraus sprangen, mich auf das Gefährt luden, kam ich in Panik. Doch sie begannen meine Wunden zu versorgen und sprachen beruhigend auf mich ein: „Du armes Deutschland. Wir aus Uganda sein, armes Deutschland helfen von UNO-Entwicklungsprogramm. Nix mehr bumm-bumm.“
 
Ich bin also armes Deutschland?! Nein danke, will lieber Samoa, Kurdistan oder Georgien sein, denn die haben mehr Bedeutung und nicht diesen bedauernswerten Deutschland-Status, der uns berechtigt für jeden ausgedachten Quatsch realitätsfremder Politiker zu zahlen bis wir total blank sind, der Bedürftigkeit anheim fallen. Aber keine Sorge, unser Geld wird wohltätig in der ganzen Welt verwaltet und dafür geben wir doch gerne, auch wenn es uns die eigene Existenz kostet.
 
Wieso sagt man nun eigentlich Du bist Deutschland und nicht Du bist schön blöd???
 
Ach so, Selbsterkenntnis könnte zu unerwünschten Reaktionen führen? Aber nein doch, dagegen helfen die neuen Anti-Terror- und Überwachungsmaßnahmen im Sinn eines schutzbedürftigen Globalkapitalismus.
Sei Du selbst einfach Deutschland, halt die Klappe und dulde still vor dich hin. Zur Belohnung kommen dann bald wieder Abgabenerhöhungen, denn auch Deine Überwachung kostet Geld.
 
 
 
 
 
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